Die Barāʾa-Nacht
30. Ocak 2026
Verehrte Muslime!
Am 2. Februar in der Nacht von Montag auf Dienstag werden wir die Barā’a-Nacht begehen. Aus diesem Anlass wollen wir in unserer heutigen Hutbe über die Bedeutung dieser Nacht sprechen.
Barā’a bedeutet „Befreiung von der Schuld oder vom Vorwurf”. Die Barā’a-Nacht ist eine Nacht von sehr großer Bedeutung. Der Hauptgrund dafür ist die Tatsache, dass in dieser Nacht der heilige Koran zum ersten Mal von der Lawh al-Mahfūz, der wohlbewahrten Tafel, in die himmlische Sphäre der Erde herabgesandt wurde. Dies war die erste Phase der Offenbarung.
In der eingangs von mir rezitierten Āyat spricht Allah Taʿālā: „Hā-Mīm. Bei dem deutlichen Buch, (das Halāl und Harām und andere Bestimmungen offen kundtut). Wahrlich, Wir haben ihn in einer gesegneten Nacht herabgesandt. Wahrlich, Wir haben (immer wieder) gewarnt. In ihr wird jede weise Angelegenheit einzeln entschieden.“ (Sure ad-Duhān, 44:1-4)
Es gibt einige Besonderheiten dieser Nacht.
Erstens: In dieser Nacht beginnt die Zusammenstellung und Auflistung der Ereignisse, die im Laufe des Jahres gemäß der göttlichen Vorsehung in der Lawh al-Mahfūz eintreten werden. Diese Liste wird in der Nacht der Bestimmung, der Laylat al-Qadr, vollendet.
Zweitens: Die Ibādāt, die in dieser Nacht vollzogen werden, haben einen sehr großen Stellenwert. Nach der Überlieferung unserer Mutter Āischa (r. ʿanhā) bat unser Prophet (s.a.w.) sie in der fünfzehnten Nacht des gesegneten Schaʿbān um Erlaubnis, diese Nacht mit Ibādāt begehen zu dürfen. Er begann mit einem rituellen Gebet, hielt die Rezitation im ersten Rakʿat kurz und verweilte in der Sadschda bis zur Hälfte der Nacht. Auch in der zweiten Rakʿat rezitierte er kurz und verweilte dann bis zum Morgengrauen in der Sadschda-Stellung.
Unsere Mutter Hazret Āischa sagte: „Ich schaute auf Rasūlullāh. Als seine Sudschūd sehr lange dauerte, dachte ich, er hätte seine Seele aufgegeben und näherte mich ihm. Dabei berührte ich seine Füße, woraufhin sich der Gesandte Allahs bewegte. Ich hörte, wie er in der Sadschda die folgende Duʿā sprach: „(O Allah!) Ich suche Zuflucht in Deiner Vergebung vor Deiner Strafe. Und ich suche Zuflucht in Deinem Wohlgefallen vor Deinem Zorn. Ich suche Zuflucht bei Dir vor Dir. Erhaben ist Dein Angesicht. Ich vermag es nicht, Lobpreisungen auf Dich aufzuzählen.”
Am nächsten Morgen berichtete ich ihm von der Situation und dem, was ich gehört hatte. Er sagte zu mir: „Lerne dies und lehre es auch anderen. Dschabrāʾīl (a.s.) hat es mich gelehrt.“ (Gunyat at-Talibin, Bd.1, S. 346)
Drittens: In dieser Nacht werden die Gebete erhört. Unser Prophet (s.a.w.) sprach: „Wenn die Nacht zur Hälfte des Schaʿbān (die 15. Nacht) eintrifft, dann steht auf (zum Gebet) und fastet tagsüber. Denn Allah Taʿālā offenbart sich mit dem Sonnenuntergang am Himmel der Erde in Seiner Barmherzigkeit und spricht Folgendes: ,Gibt es keinen, der um Vergebung bittet, auf dass Ich ihm vergebe? Gibt es keinen der um Nahrung bittet, auf dass Ich ihn mit Nahrung versorge? Gibt es keinen der vom Unglück getroffen ist, auf dass Ich ihn davon befreie? Diese (Einladung) währt bis zur Morgendämmerung.’” (Ibn Mādscha, Bd. 1, 1388)
Viertens: Die Tore der Barmherzigkeit öffnen sich und die göttliche Vergebung tritt in ein. Unser Prophet (s.a.w.) sprach: „Dschabrāʾīl alayhissalām kam in der fünfzehnten Nacht von Schaʿbān zu mir und sagte: ,O Muhammed, erhebe dein Haupt zum Himmel!’ Ich fragte ihn: ,Welche Nacht ist heute?’ Dschabrāʾīl (a.s.) antwortete: ,Heute Nacht öffnet Allah Taʿālā dreihundert Tore der Barmherzigkeit und vergibt allen, außer denen, die Ihm jemanden beigesellen. Ausgenommen davon sind auch die Zauberer, die Wahrsager, die Alkoholiker sowie diejenigen, die auf Zinsgeschäfte und Unzucht beharren. Diesen (Letztgenannten) wird nicht vergeben, bis sie ihre Sünden bereuen.” (Gunyat at-Talibin, Bd.1, S. 347)
Fünftens: In dieser Nacht wurde unserem Propheten die Vollmacht gegeben, für seine gesamte Umma Fürsprache, Schafāʿa, einzulegen.
Glückselig sind diejenigen, die diese Nacht ihrer würdig begehen.