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Die Augen vor Haram bewahren

27. Mai 2022

26. Schawwal 1443

Liebe Muslime,

in unserer heutigen Hutbe geht es um das Bewahren unserer Augen vor Haram, vor unerlaubten Dingen.

Es gibt sowohl materielle als auch geistige Krankheiten, die den inneren Frieden von Individuen und der Gesellschaft stören, sie schwächen und sie unfähig machen. Einer dieser geistigen Krankheiten ist Zina, die Unzucht.

„Und nähert euch nicht der Unzucht (zina). Denn fürwahr sie ist eine schändliche Tat und sie ist ein übler Weg.” (Sure Al-Isra, 17:32)  Mit dieser Ayet Kerime wird sie kurz und knapp für eine abscheuliche Tat erklärt.

In der Medizin hat die Prävention von Krankheiten durch vorbeugende Maßnahmen einen vorrangigen Stellenwert als die Heilung selbst. Dementsprechend ist auch das Betrachten von unerlaubten Dingen, die zur Unzucht führen, verboten. Jedes Glied unseres Körpers ist eine Gabe Allahs und dient nützlichen Zwecken. Diese außerhalb ihres Zweckes einzusetzen, ist ein Zeugnis der Undankbarkeit gegenüber Allah und zugleich ein Unrecht gegenüber uns selbst.    Das Auge ist einer der größten Gaben Allahs, mit dem man beispielsweise das Gute vom Bösen, das Nützliche vom Schädlichen, das Schöne vom Hässlichen unterscheiden kann.  Mit ihm beobachten wir die Schönheiten des Universums, in der sich die Allmacht Allahs widerspiegelt. Dinge, die haram sind, zu betrachten, hieße eine Zweckentfremdung.

In der Sure an-Nur, 24:30-31 spricht Allah Te’ala: „Sag zu den gläubigen Männern, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Keuschheit bewahren. Das ist lauterer für sie. Gewiß, Allah ist dessen allkundig, was sie bewerkstelligen. Und sag zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Keuschheit bewahren...”

Das Auge fotografiert das, was es sieht und übermittelt es an das Gehirn. Das im Gehirn erzeugte Bild wird im Herzen mit einem positiven oder negativen Verlangen nach ihm, Zuneigung oder Ablehnung, gespeichert. Wenn die obszönen Gefühle, hervorgerufen durch  das Verlangen bei Betrachtung unerlaubter Dinge,  aufwallen und den Geist und das Herz bedecken, so wird durch die Vereinnahmung unserer spirituellen Welt durch  diese niederen Triebe  der Geist stumpf und das Schamgefühl verschwindet.

Aus diesem Grund sagte unser Prophet (s.a.w): „Der Blick (auf verbotene Dinge) ist ein giftiger Pfeil von den Pfeilen des (Teufels) Iblis. Wer ihn aus Furcht vor Allah unterlässt, dem verleiht Allah einen Iman, dessen Süße er in seinem Herzen empfinden wird.” (Hakim, Al-Mustadrak, Bd. 4, 7875)

In einem anderen Hadis Scherif heißt es: „Die Augen begehen Unzucht (zina). Ihre Unzucht ist der Blick (auf unerlaubte Dinge).”(Buchari, 6243)

Das plötzliche Sehen eines Harams ist nicht Sünde, sondern das vorsätzliche Betrachten eines Harams ist nicht erlaubt. Unser Prophet (s.a.w.) sagte zu Hazret Ali (r.a.): „Ein Blick soll einem anderen Blick nicht folgen. Denn der erste Blick ist für dich und der zweite ist gegen dich.” (Abu Dawud, 2149)

In unserer heutigen Zeit, in der jede Art von Obszönität weit verbreitet ist, ja sogar gefördert wird, ist es umso wichtiger, diesem Thema noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Während wir eineseits uns selbst davor schützen, sollten wir andererseits Allah Te’ala mit Gebeten und Fürbitten um Vergebung bitten.

Hazret Ebu’l-Faruk Silistrevi hat diese Thematik immer wieder in seinen Predigten zur Sprache gebracht und hat nachdrücklich den folgenden Ratschlag gemacht: „Wenn ihr eure Häuser verlässt, vergesst nicht, ich bitte sehr darum! Spricht „La ilaha illallahu wahdahu la scharika lah. Lahu l-mulku wa lahu l-hamdu...” Wer dies spricht, für den gibt es eine Million an Belohnung, eine Million an Vergebung von Sünden. Alle Hadisgelehrten waren fassungslos und erstaunt darüber, warum Rasulullah (s.a.w.) dies so formulierte. Schließlich kamen sie zu dem Ergebnis: Wenn die Menschen ihre Häuser verlassen, werden sie auf den Straßen und Märkten sehr unangenehme Situationen erleben und in Sünde fallen. Allah wird ihnen als Ausdruck der großen Fürsprache (schafaat al uzma) aufgrund dieses Bittgebetes, all ihre Sünden, die sie bis in den Abend hinein begangen haben, vergeben. Meine Herren, lernt es auswendig und bringt es euren Kindern bei.